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Mickeys Opera

Figurerne blev overdraget 21 Marts 2011 til museums direktør Ingrid Mössinger ved Kunstsammlung Chemnitz af Billedhugger Bjørn Nørgaard og Donator Peter Lassen, Montana.

Åbningstale Rene Block , Chemnitz 21.8.09

Es gibt viele Wege, sich der Kunst von BN zu nähern.

In der Ausstellung "Mit dem Kopf durch die Wand - und etwas Neues finden",
einer privaten Sammlung von Werken, vorwiegend aus dem Fluxus-Bereich ,
1992 im Statens Museum zu Kopenhagen, waren einige Arbeiten von BN zu sehen.
Neben einer Gruppe von augenzwinkernd so bezeichneten Schubladen- Zeichnungen mit Entwürfen zu
plastischen Arbeiten und Skizzen mit ersten Überlegungen zu Aktionen gab es einige
kleinere Objekte, wie eine so genannte Anhäufung, eine Ansammlung
verschiedener Dinge, durch Fäden miteinander verbunden sowie einige Objekte, die
aus der legendären Aktion "Das Pferdeopfer" von 197o stammten zu betrachten.
Das zentrale Werk aber war eine Skulptur, die im heutigen Sprachgebrauch eher als Installation bezeichnet würde, mit dem Titel "Grundstoff 1 - für eine imaginäre
Aktion".
Zu sehen waren ein industrieller Hubwagen unter einer Europalette, auf der alle für
eine N.-Aktion wesentlichen Materialien gestapelt waren.
5 Säcke Gips und 12 Säcke mit Bildhauerlehm
dazwischen mehrere Quadratmeter Glasscheiben und Spiegelglas
ein offener Karton enthielt Pakete mit Salz und Mehl, Gläser mit Sirup,
daneben Dosen mit Schmierseife. Oben auf dem Ton lagen 5 tote Heringe und ein Karton
mit 12 Eiern, in einem Plastikkübel  mit Wasser ein metallener Rührbesen,
daneben weitere Werkzeuge, Eisen, Kabel, Holz und 12 Glühbirnen
Gegen die Palette gelehnt eine Schaufel und eine Latte
auf dem Boden daneben große fussballgroße  Kiesel ,am Strand gefunden und
einige Säcke mit Kies.
Im Wasser, im Kübel, eine langstielige Rose.

War die Rose eine Referenz an Joseph Beuys, dessen "Klavier Oxygen" ganz in der Nähe
platziert war?
Begegnet sind sich beide Künstler 1966. Zu dieser Zeit war BN Mitglied
einer experimentellen Kunstschule in Kopenhagen, die von Personen  um den Künstler
Poul Gernes und den Kunsthistoriker Troels Andersen als Gegenmodell zur Königlichen
Akademie gegründet worden war. Nach den Vorstellungen der Gründer sollte die EKS-
Schule, wie sie sich nannte, an Traditionen des Bauhaus anknüpfen. Eine künstlerische
Werkstatt für Bildende Kunst, Tanz und Film sein.
Das Lehrer/Schüler Verhältnis war hier aufgehoben.
Man experimentierte gemeinsam als Mitglied.
Mitglied war damals auch der Maler Per Kirkeby, der sich ebenfalls, wie N., zu offenen Kunstformen hingezogen fühlte,wie sie vor allem von Künstlern des FLUXUS praktiziert und propagiert wurden.

- Kopenhagen war in den frühen 6oger Jahren eines der europäischen Zentren für Fluxus
durch die Aktivitäten des deutsch/dänischen Künstlers Arthur Köpcke. Dieter Rot
landete regelmäßig in Kopenhagen, wenn er seine Familie in Island besuchte oder
von dort zurückkam. Robert Filliou war mit einer Dänin verheiratet...

Im Oktober 1966 hatte die Galerie 1o1 noch einmal zu einem offenen Festival eingeladen,
Aus Deutschland kamen Wolf Vostell und Beuys, Köpcke war dabei und auch Mitglieder der EKS Schule nahmen teil.
N. bezeichnete seine Aktionen, die damals in der Regel sehr einfach, sehr minimal konzipiert waren,  als "Skulpturale  Demonstration".  So auch bei diesem Festival.
Ein Pappkarton war durch eine weitere Pappe in zwei Hälften geteilt. In jede der Hälften stellte BN einen seiner Füße und füllte den Raum im Karton mit frisch angerührtem
Gips. Nachdem dieser erhärtet war, wurden die Kartonpappen entfernt und die beiden
Gipsblöcke freigelegt. Mit diesen an den Füßen schritt der Künstler den Raum ab.
Beuys hatte bei der Ausführung ganz spontan assistiert und lud nun den jungen Kollegen
ein, sich mit dieser Aktion an einer von ihm mit Henning Christiansen
geplanten Performance Veranstaltung in der Galerie Alfred Schmela zu beteiligen.

Mit "Manresa", so der Titel der Düsseldorfer Aktion, betritt BN am 15.Dezember 1966 die Kunstgeschichte.
Und bringt diese, vor allem den dänischen Teil, in der Folge ganz schön durcheinander. Erinnert sei
das das ganze Land aufregende "Pferdeopfer" von 197o, ausgeführt mit Lene Adler Petersen und Henning Christiansen oder die Aktion "Der nackte weibliche Christus", ebenfalls mit Lene Adler Petersen, damals Studentin an der Königlichen Akademie , seit vielen Jahren
Lebenspartnerin. Eine Filmversion des weiblichen Christus ist im Rahmen dieser Ausstellung
zu sehen.

Die Aktionen der letzten Jahre folgen zwar einem im Kopf des Künstlers verborgenen Konzept,
entstehen aber dennoch spontan , scheinbar ganz aus dem  Augenblick sowie aus dem vorhandenen Material.
Der Künstler ist Teil dieser Aktion. Er produziert einen öffentlichen schöpferischen Akt, der häufig die Form einer barocken Materialschlacht annimmt, an deren Ende in der
Regel eine Skulptur entsteht.
Hin und wieder ruht sich der Künstler auf dieser aus.

Vier mal konnte ich Zeuge dieses gesamten Prozesses werden, als ich als Organisator auch das Material  zu besorgen hatte, dass ich vorhin bei "Grundstoff für eine imaginäre Aktion"
beschrieb: 1986 in Berlin beim Musikfestival Inventionen
im gleichen Jahr in Rom bei einem Rosenfest genannten Performancewochenende
199o in Sydney aus Anlass der 8. Biennale - und im Jahr 2oo6 als meine letzte Veranstaltung in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel stattfand.
Alle diese Aktionen waren gemeinsam mit dem KomponistenHenning Christiansen
konzipiert und  als parallele Aktionen durchgeführt.
Die in Sydney zusätzlich mit 14 Schafen.

"Wenn wir überhaupt Aktionen machten", sagt BN, "dann hängt das damit zusammen, dass wir an einem Punkt angelangt waren, wo die Malerei, die Bildhauerei, die Literatur und die Musik ihre Möglichkeiten erschöpft hatten. Deshalb verließen wir das Bild, um anderswo neue Möglichkeiten zu finden. Und plötzlich konnten Maler, Bildhauer, Komponisten, Tänzer und Schriftsteller sich in einem gemeinsamen Raum zu einer gemeinsamen Zeit treffen.
Es gab ein Bedürfnis, die Grenzen zwischen den Kunstarten nieder zu reißen, Grenzen, die
keinen Sinn mehr hatten."

BN lernte ich 1978 kennen. Mit Joseph Beuys war ich nach Dänemark gekommen um im
Museum Louisiana dessen "Honigpumpe am Arbeitsplatz" der documenta 6,1977, in neuer Form zu installieren. Neu war auch der Konzertsaal des Hauses, in dem BN und HC
den Künstlerfreund in einer öffentlichen Performance mit dem Titel "der tapfere Fuss-Soldat" ehrten. Meine Zusammenarbeit mit HC im Rahmen von Fluxus-Ausstellungen vertiefte sich in jener Zeit.
Folge von häufigen Besuchen in seinem Haus auf der lieblichen Insel Moen wurde ein zweiter Wohnsitz in seiner Nachbarschaft.

Bjoern fand einige Jahre später ein Haus auf der Insel, das sich
in Ateliers für ihn und Lene wandeln ließ. Hier konnte ich aus nächster Nähe über viele
Jahre am Entstehungsprozess der bisher größten und für viele Dänen bedeutendsten Arbeit des Künstlers teilhaben, den 17 Gobelins für Königin Margrete II von Dänemark.
Ich möchte, da sie nicht gezeigt werden können, mit einigen Worten auf sie eingehen.

Aber um sie zu verstehen, müsste ich den ganzen universalen Künstler und vor allem auch
den Menschen vorstellen können.

*BN ist Handwerker. Er hat sich durch die frühen Experimente an der EKS-Schule und das
intensive Beobachten von Handwerkern viel Wissen um  die spezifischen Eigenschaften vieler und unterschiedlicher  Materialien angeeignet. Die
Verwandlung von formlosem Material in eine Form ist ein faszinierender Prozess.
Bei Glas, bei Metall, bei Holz, bei Ton. So arbeitet er mit den  besten Handwerkern des
Landes und  tut auch dies in einem kooperativen und sozialen Prozess.
BN sagt " Die klassische Kunst war in dem Sinn sozial, dass die Zeit sie damals benötigte.
Die Kunst besaß eine allgemeine Funktion, die Kunst konnte die Ideale der Zeit zum Ausdruck bringen. Es gab ein Handwerk, es gab Werkstätten - das interessiert uns, das brauchen wir, bei einer Arbeit mit einer Kunst, die visionär ist und allgemein zugleich.
Kunst, die sich in einer Werkstattsituation herstellen und in einem sozialen Zusammenhang
gebrauchen lässt.    Das kann man auf verschiedene Art und Weise ausführen, in den sechziger und Anfang siebziger machten wir politische Aktionen, Festivals, Zeitschriften, Arbeitsplätze... In den Achtzigern wollten wir auch Monumente, Tableaux, Architektur probieren."

*BN ist Lehrer. Viele Jahre leitete er als Professor der Königlichen Kunstakademie die Bildhauer-Schule. Auch diese eine Werkstatt. Erfahrungen am und um Material weitergeben.   Aber es muss den jungen Menschen noch mehr vermittelt werden :
Wissen, Geschichte, Kunstgeschichte, Gegenwart. Expeditionen mit den Studenten an die
Ursprünge anderer Kulturen, Ägypten, Mexiko. Aber auch an europäische.
BN sagt " Es handelt sich doch um ein Gesellschaftsmodell, in dem alle Menschen kreativ sind. - Wir machen nicht eine Kunst unter den Bedingungen dieser Gesellschaft, sondern trotz dieser Gesellschaft"  

*BN ist Däne. Somit ist er Skandinavier und steht in der Tradition einer nordeuropäischen
Kultur von Ibsen, Strindberg, Munch, Andersen, Thorvaldsen, Widewelt, Sibelius,
Nielsen oder Jorn. In dieser Tradition zu stehen bedeutet, die bei langen Auslandsaufenthaltenen gewonnenen Erfahrungen mit einer inneren  Haltung und
Sicht zu vereinbaren. Das heißt für den Künstler: aus der nordischen Mythologie und der
dänischen Kultur schöpfen, sie aber gleichzeitig in eine internationale, wenn nicht sogar
globale, Perspektive zu stellen.

*BN ist ein Mensch. Ein Mensch der die Wahrheit sucht. Oder präziser: der das sucht, was sich hinter Wahrheiten verbirgt. Hier gleicht er durchaus Joseph Beuys, zuhörend, geduldig
argumentierend, nie ungerecht anderen gegenüber sondern offen .
War man mit ihm zusammen, fühlt man sich besser.
HC schrieb: "Wir tranken zum Wohle Wittgensteins und einigten uns darauf, dass "das
Wichtigste das Interesse des Menschen am Menschen ist"

In den 17 Gobelins, der populärsten und meist diskutierten Auftragsarbeit öffnet sich für den Betrachter ein Zeitraum von etwa 12oo Jahren dänischer Geschichte. Von der Wikingerzeit
bis zur Gegenwart. Für seine Deutungen dieser Geschichte gab es keine Vorgaben. Von der
Architektur des Rittersaales in Schloss Christiansborg , für den sie bestimmt waren, ausgehend, entschied sich Norgaard für ein festes Schema: ein durch Bordüren gerahmtes
Hauptfeld. Dieses Schema verbindet die einzelnen Teppiche, deren Hauptteile jeweils im
Stil der einzelnen Epochen gehalten sind zu einem Gesamtwerk.
Unzählige Bücher, historische wie neue zur Geschichte Dänemarks   wurden studiert.
Von darin enthaltenen Bildern, sofern von Interesse, Fotokopien gemacht, diese zu
Kompositionen collagiert. Diese dann gezeichnet, oft in mehreren Versionen. In einem
weiteren Arbeitsgang wurde die endgültige Fassung dann 1:1 zum Format der Teppiche vergrößert und wurden die Farben durch eine Vielzahl von Nummern  bestimmt., diese
Farbencodes wurden zeitweilig von 5-6 Assistenten umgesetzt, ehe die Kartons
nach Frankreich gebracht wurden.
Für die Produktion ausgewählt wurden, auch dies kennzeichnet seine Arbeitsweise, die
Manufacteures nationales des Gobelins de Beauvais et de la Savonnerie in Paris.
Die Herstellung
erfolgte in aufrecht stehenden Webstühlen in genau der gleichen Technik, die man schon seit
Jahrhunderten zur Produktion von Wandteppichen verwendet, der "haute lisse" Technik , die
schon bei der letzten Lieferung der Manufaktur an Schloss Christiansborg vor etwa 25o
Jahren angewendet wurde..
Die Produktion der Teppiche vom ersten der Reihe "Die Wikinger-Zeit" bis zu dem, der "Die Zeit der jüngeren Glücksburger", so das Geschlecht des  Konigshauses, betitelt ist, dauerte 1o Jahre. Diesen Teppich, der das 2o.Jahrhundert behandelt sollten wir uns stellvertretend ansehen.
Wird die linke Bildhälfte beherrscht von König ChristianX, wie er hoch zu Ross die Grenze
zu Nordschleswig überschreitet zur Wiedervereinigung 192o, so die rechte von der Königsfamilie um 195o. Wir sehen König Frederik IX , Königin Ingrid und die drei Prinzessinen Anne-Marie, Benedikte (die heute unter uns weilt) und Margrete, die derzeitige
Königin.
Um diese Figuren sind 76 Szenen zur Geschichte des 2o. Jahrhundert arrangiert, Erster und zweiter Weltkrieg, Erfindungen aus Technik und Wissenschaft, Szenen und Werke der
Kultur. Dänisches und Internationales. Und immer wieder Persönlichkeiten in charakteristischen Positionen, mit für sie typischen Gesten: Chaplin,
Bunuel, Heidegger, Wittgenstein, Gaucho Marx, Andre Breton, Ernest Hemingway,
die Beatles,  Herbert Marcuse, Bob Dylan und viele andere. Aber eingeschmuggelt ist
auch eine sehr persönliche Ecke: der Künstler mit den Eltern bei der Gartenarbeit,
Lene als weiblicher Jesus , Joseph Beuys -  und wie ein Motto in einer Ecke ein Stück
von Arthur Köpcke "Fill with own imagination"
44 Köpfe füllen die Bordüre um dieses Bild. Unter ihnen Charly Chaplin, Thomas Mann,
Eisenstein, Pasternak, Le Corbusier, Stravinsky, Sartre, Einstein, Niels Bohr, Utzon, Dreyer, Mao, Willy Brandt, Churchill, Kennedy und Gandhi.

Betrachtet man die gesamte Serie der Gobelins, so zeigt Norgaard mythische Geschichten und historische Persönlichkeiten die die dänische Geschichte wie in einer Spirale von einem Punkt
ausgehend vergrößern, sie den einzelnen Epochen entsprechend zunächst mit der der skandinavischen Nachbarn, später der europäischen und zuletzt einer globalen Kultur und Geschichte verbindet. Mit dieser Arbeit hat BN sein Weltbild geschaffen, in dem es ihm -
wie auch in andren Arbeiten -  darum geht, uns vor dem Vergessen zu bewahren.

Er tut dies - ganz in dänischer Tradition - nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern überaus
listig. Diese Ausstellung zeigt den Bildhauer N.
Wie in Wagners Ring des Nibelungen existiert bei N. neben dem Weltbild ein Götterbild.
Das wird heute in einer faszinierenden Inszenierung zu erleben sein.
Aber es sind nicht mehr die Götter aus Walhalla, die hier eingezogen sind, es sind symbiotische Wesen, allegorische Wesen, Atypia Figuren, die alle Kulturen dieser Erde vereinen,
bis hin zur Mickey Familie aus Disneyland, die - ganz zeitgemäß - in China von ihm
modelliert und produziert wurde,

Der Schlafende Mann, die vielleicht zentrale Figur in dieser Ausstellung, die 1986 in Berlin entstand, wie auch die Reihe der symbiotischen  Figuren dieser Ausstellung: die weibliche
Doppelschlange, die Göttin der vielen Fähigkeiten, die  vermummte Gestalt - ,  
dieser schlafende Mann ist wahrscheinlich hellwach. Er hört sehr genau hin und vergisst nichts.
Mir sagte er vor nicht allzu langer Zeit:
"Kunst ist, wenn sie gelingt, die einfachste und direkteste Kommunikation unter Menschen;
die Kunst ist der Punkt, wo der persönliche Ausdruck und das Allgemeine
zusammenfallen an jenem Punkt, wo Individuum und Gemeinschaft auf einem höheren Niveau miteinander verschmelzen.

Es gibt viele Wege, sich der Kunst BN's zu nähern.
Ich habe einen kleinen Schritt versucht.